Anfang 2010 hatte ich ja schon einmal einen Blog, allerdings hat der Provider die Segel gestrichen... Jetzt habe ich nach langem hin und her mich entschlossen, doch wieder unter die Blogger zu gehen. Viel Spaß beim Stöbern..!
Wir alle sind käuflich. Klingt zunächst mal ziemlich böse, ist aber so.
Und es ist keineswegs grundsätzlich schlecht, verwerflich oder zu verurteilen.
Jeder Mensch ist prinzipiell dazu bereit, mehr oder weniger unbequeme oder anstrengende Tätigkeiten auszuüben, Dinge zu sagen oder Entscheidungen zu treffen wenn die zu erwartende Gratifikation nur attraktiv genug erscheint. Wobei diese nicht zwangsläufig monetärer Natur sein muss – es kann im Kleinen schon reichen eine verbale Anerkennung zu erhalten oder einen kleinen strategischen Vorteil im privaten oder geschäftlichen Rahmen.
Schon als Kinder werden wir mit ‚Belohnungen‘ gelockt. Wenn Du dieses oder jenes machst oder lässt, dann bekommst Du …. Bei guten Noten bekommst Du … Später dann: Bist Du gut im Job, gibt’s eine Gehaltserhöhung, ne goldene Uhr oder oder oder… Da ist es doch nur natürlich das wir fast schon pauschal davon ausgehen, konsequenterweise müsse alles was wir (für uns selbst oder andere) tun irgendwie honoriert werden.

Und eben das ist leider vollkommener Bullshit.
Denn wenn wir das so akzeptieren werden wir von
etwas anderem in uns angreifbar: unserer Gier.
Es stellt sich dann ja nicht mehr die Frage OB wir etwas tun oder lassen möchten, sondern nur noch die FÜR WELCHEN PREIS. Dann ist es nur noch ein keiner Schritt dahin, auch die eigenen Werte zurück zu stellen. Werte, die wir bis gestern noch als unumstößlich und unveränderbar gesehen haben, erhalten bei Betrachtung des ‚Preises‘ plötzlich einen wir-können-ja-mal-drüber-reden-Status.
Und je länger der Kampf um etwas bereits dauert – einen Status, Kontostand, sozialen Status oder was auch immer – umso mehr wächst die Bereitschaft die eigenen Werte zu reduzieren. Umso offener sind unsere Ohren für neue Heilsbringer mit neuen Besen – die ja bekanntlich gut kehren…
Da werden Aussagen getroffen, die bis gestern mit dem eigenen Werteverständnis vollkommen unvereinbar schienen – strategische Partnerschaften akzeptiert mit Menschen oder Unternehmen die sonst Hausverbot hätten oder die eigene Handlungsweise bis zur Absurdität verändert…
Das bringt jedoch 2 Probleme mit sich:
Zum einen darf keine Nachhaltigkeit erwartet werden, denn niemand verändert sich WIRKLICH grundlegend und auf Dauer im Denken & Auftreten. Es ist eben nur ein Schauspiel, und dies aufrecht zu erhalten erfordert ein extrem hohes Maß an Energie. Irgendwann -kurzfristig sichtbarer Erfolg hin oder her- ist diese verbraucht, und spätestens dann fällt er wieder in sich zusammen….
Zum anderen sind wir eben Herdentiere. Wir umgeben uns mit Menschen, die wir wertschätzen, und sie uns. Und die, die nicht mit auf unseren neuen und glänzenden Erfolgszug aufspringen wenden sich ab; ziehen sich zurück. Beschränken sich auf die kopfschüttelnde Zuschauerrolle. Es stellt sich nur die Frage: möchten wir langfristig von den mitkreischenden Trittbrettfahrern umgeben sein oder lieber von den reservierten, ernsthaften – evtl. etwas langsameren aber (vielleicht ja auch) vernünftigeren?
Diese Fragen muss natürlich jeder für sich selbst beantworten. Und die Kunst besteht wohl darin für sich das richtige Augenmaß zu behalten.
Ich wünsche jedem, das Hirn immer über Gier siegt.